
Das Thema „Nachhaltigkeit“ hat sich als ein globaler gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Megatrend etabliert und wird zukünftig weiter an Gewichtung gewinnen. Dies unter anderem auch aufgrund der verstärkten Orientierung bei Unternehmensbewertungen als Teil der Lieferkette und auf den Finanzmärkten.
Im dynamischen Umfeld nationaler und internationaler Nachhaltigkeitsgesetzgebungen stehen Unternehmen einer stetig wachsenden Vielzahl von Gesetzen, Richtlinien und Verordnungen gegenüber. Deren Zielsetzung ist die Förderung einer nachhaltigeren Wirtschaft und der Anreiz für ökologische und soziale Eigenverantwortung der Unternehmen.
Als Ausgangspunkt der Nachhaltigkeitsgesetzgebungen gelten unter anderem das Pariser Klimaschutzabkommen und der European Green Deal. Insbesondere das übergeordnete Ziel der Klimaneutralität bis 2050 und die damit einhergehenden Maßnahmen wie zum Beispiel die Förderung sauberer Energie und der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen sind zwischenzeitlich als unumkehrbar akzeptiert.
Die Einführung der Corporate Sustainability Reporting Directive (= CSRD) und der Europäischen Nachhaltigkeitsberichtsstandards (= ESRS) markiert einen Wendepunkt für die Unternehmen im europäischen Wirtschaftsraum. Die Vorgaben definieren, regeln und vereinheitlichen Standards. Nachhaltigkeit wird messbar und transparenter, was Greenwashing erschwert und die Glaubwürdigkeit authentisch agierender Unternehmen stärkt. Investoren und anderen Interessengruppen wird die Möglichkeit gegeben, nachhaltige Entscheidungen zu treffen.
Nachhaltigkeit setzt neues Denken voraus
Bisher wurden als wesentliche Faktoren für den Unternehmenserfolg unter anderem Produktqualität, Kundenzufriedenheit/Bindung, Lieferfähigkeit und weitere jeweils branchenspezifische Tätigkeiten erachtet. Mit den Nachhaltigkeitsanforderungen sind die Verantwortlichen in den Unternehmen angehalten, sich außerhalb der bisherigen gewohnten Denkmuster zu bewegen. Es gilt zu prüfen, welche relevanten Auswirkungen das eigene Geschäftsmodell bzw. der eigene Geschäftsbetrieb auf die Menschen, die Gesellschaft und die Umwelt sowie das Klima haben. Und, wie sich die Themen der Nachhaltigkeit auf die eigenen wirtschaftlichen Aktivitäten des Unternehmens auswirken. Neben der Reduktion von CO2 Emissionen, dem Ausbau der erneuerbaren Energien und der Transformation zu alternativen Antrieben fließen auch immer mehr soziale und gesellschaftliche Komponenten in Nachhaltigkeitsbetrachtungen mit ein.
Besonders im Fokus und herausfordernd ist in diesem Zusammenhang die Chancen- und Risikobetrachtung. Auch hier muss in neuen Dimensionen und Abhängigkeiten gedacht werden. Überlegungen, inwieweit nachhaltiges Handeln Chancen eröffnet, ist unter Wettbewerbsgesichtspunkten leicht zu vermitteln. Aber welche Risiken und Auswirkungen sich bei Nachhaltigkeitsthemen für die eigene Geschäftstätigkeit ergeben können, ist oftmals schwerer zu erfassen und einzuschätzen. Die Vorteile und der Nutzen der erweiterten Chancen- und Risikobetrachtung liegen aber auf der Hand: Die Resilienz, sich auf Veränderungen im Umfeld der eigenen wirtschaftlichen Aktivitäten einzustellen, wird deutlich erhöht.
Mit zunehmenden Berichtspflichten und stetig wachsender Vielzahl von Gesetzen, Richtlinien und Verordnungen steigen der Bedarf und die Anforderungen an die Unternehmen nach klimabezogenen Informationen und Kennzahlen ihrer angebotenen Dienstleistungen, Produkte und Prozessen. Aus diesem Grund wird sich die Fähigkeit, entsprechende Daten und Informationen bereitstellen zu können, neben bisherigen Faktoren für den Unternehmenserfolg als zusätzliches weiteres Leistungsmerkmal entwickeln. Verifizierbare und vergleichbare Daten sowie eine transparente Berichterstattung fördern das Vertrauen und die gegenseitige Bindung der geschäftlichen Beziehungen. Die Kompetenz nachhaltige Dienstleistungen, Produkte und Prozesse anbieten zu können ist ein wichtiger werdendes Differenzierungsmerkmal.
Fazit
Insbesondere im internationalen Wettbewerbsumfeld können CSRD-konforme Unternehmen vom zeitlichen Vorsprung der frühzeitig definierten Berichtsstandards aus der europäischen Berichterstattungspflicht profitieren und ihre Nachhaltigkeitskompetenz als unternehmerische Stärke und Wettbewerbsvorteil strategisch festigen und ausbauen sowie ihre unternehmenseigene strategische Kompetenz mit spezifischen Geschäftsmodellen vermarkten.
Für die Verantwortlichen im Unternehmen muss ein professionelles Nachhaltigkeitsmanagement (unabhängig von Berichtspflichten und gesetzlichen Anforderungen) als Teil der Unternehmensstrategie zu einer Selbstverständlichkeit werden und dieses aktiv gelebt und gefördert werden.
NACHHALTIGKEITSMANAGEMENT = ZUKUNFTSMANAGEMENT
Über den Gastautor:Sebastian Prinzing hat die klassische Spedition in einem Mittelstandsunternehmen von der Pike auf gelernt und ist seit mehr als 25 Jahren in der Logistik- und Transportwelt zu Hause. Die letzten 10 Jahre hat er sich mit seiner strategischen und nachhaltigen Arbeitsmethodik u.a. in den Themenbereichen Datenschutz, ISO-Managementsysteme und Nachhaltigkeitsmanagement Fachkompetenz und Qualifikation aneignen können. Dies immer mit dem Fokus auf pragmatische und lösungsorientierte Ansätze, um kundenorientierte und ganzheitlich praxisnahe Anwendungen und Umsetzungen unter dem Aspekt der stetigen Verbesserung zu gewährleisten.